2019

Berliner Requirements Engineering Symposium

Wie Agilität Innovation verhindert

Gunnar Harde

Automotive Quality Institute GmbH

Abstract

Der agile Ansatz sieht vor, dass ein Produkt frühzeitig ausgeliefert und inkrementell weiterentwickelt wird. Eine konzeptionelle Phase vor Beginn der eigentlichen Entwicklung ist nicht oder nur rudimentär vorgesehen. Dies birgt jedoch die Gefahr, dass Innovationen jenseits kleiner Produktoptimierungen nicht entstehen können. Ausgangspunkt ist vielmehr der aktuelle Entwicklungsstand, der in kurzen Iterationen verbessert werden soll. Disruptive Innovation ist so kaum möglich.

Innovation erfordert eine konzeptionelle Phase und den Mut, über einen längeren Zeitraum ein Produkt zu entwickelt, dass (noch) nicht den Funktionsumfang und die Qualität bestehender Lösungen aufweist. Daraus ergibt sich ein Spannungsfeld für die Entwicklung von Innovationen in einem dynamischen Umfeld mit großer Unsicherheit hinsichtlich der Anforderungen und deren Umsetzung:

  • Innovationen müssen durchdacht sein, dürfen aber nicht überspezifiziert werden.
  • Innovationen benötigen eine Zeit der Inkubation, müssen dann aber in die reguläre Produktentwicklung einfließen.

Dieses Spannungsfeld stellt Unternehmen vor großen Herausforderungen. Agile Grundsätze und Prinzipien sind hierbei durchaus hilfreich. Für innovative Entwicklungen muss jedoch die beim agilen Ansatz übliche klare Trennung zwischen dem Was – definiert und priorisiert durch den Product-Owner – und dem Wie – selbstorganisatorisch festgelegt durch das Entwicklungsteam – teilweise überwunden werden.

Biografie

Gunnar Harde arbeitet seit vielen Jahren als IT-Berater, Manager von IT-Projekten und als Product-Owner. Er ist zertifizierter ScrumMaster (CSM), Scrum-Product-Owner (CSPO) und Scrum-Professional (CSP-PO).

Gunnar Harde verantwortet derzeit als Mitarbeiter des Automotive Quality Institute u. a. das Projekt „Herausforderungen für das Qualitätsmanagement im agilen Umfeld“ im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie (VDA).